Review auf das 1. Symposium zum New European Bauhaus in Niederösterreich
Nachlese
Im Dezember 2025 fand in der Tischlerei Melk Kulturwerkstatt das erste Symposium zum New European Bauhaus (NEB) in Niederösterreich statt. Unter dem Titel „Transformation hat Bestand“ widmete sich die Veranstaltung dem zukunftsfähigen Bauen für Österreich. Das NEB versteht sich als Zukunftsinitiative und als Seele des European Green Deal, die Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion miteinander in Einklang bringt. Seit 2020 fördert die Europäische Union Projekte, die den ökologischen Wandel greifbar, lebenswert und zugänglich machen. Das niederösterreichische Pilotprojekt – zugleich das europaweit erste NEB-Projekt im ländlichen Raum – befindet sich mitten in Melk.
Rund 170 Besucher:innen folgten der Einladung in die Kulturwerkstatt, um das in Kooperation mit dem ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich ausgerichtete Symposium mitzuerleben. An einem Ort, an dem über Jahrzehnte Möbel von zeitloser Qualität produziert wurden, wird seit 2022 am nächsten Entwicklungsschritt gearbeitet. Direkt gegenüber dem Stift entsteht auf einem ehemaligen Gewerbeareal ein klimaneutrales, multifunktionales Stadtquartier, das Tradition und Innovation verbindet, internationale Strahlkraft entwickeln möchte und gleichzeitig als Modell für die Belebung des ländlichen Raums dienen soll. Projektinitiator Lukas Fürst gewährte gemeinsam mit seinen Forschungspartner:innen sowie Vertreter:innen aus Planung, Verwaltung und Politik Einblicke in diesen vorbildlichen Entwicklungsprozess. Neben der Präsentation des Architekturentwurfs für das zukünftige Stadtquartier – verantwortlich dafür sind die Vorarlberger Architekten Dietrich Untertrifaller – wurden zahlreiche Themen des nachhaltigen Bauens aufgegriffen, für die die Tischlerei als Pilotprojekt wirkt.
Nicole Kirchberger vom Klimafonds stellte Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte der Wärmewende vor, in deren Zusammenhang die Tischlerei als Mustersanierung gelten darf. Umwelträtin Ute Reisinger präsentierte den künftigen Klimawald, der im Rahmen eines Life-Projekts unmittelbar vor dem ehemaligen Tischlereiareal entstehen soll. Jürgen Schneider, Leiter der Sektion Umwelt und Klima im BMLUK, Hannes Warmuth von der nationalen Kontaktstelle NEB im BMIMI, sowie Angela Wieser, nationale Kontaktstelle für das NEB bei der FFG, gaben Einblicke in Klimaschutzinitiativen auf europäischer Ebene und plädierten für einen ambitionierten europäischen Klimaschutz, der vor Ort (!) funktionieren muss.
Othmar Karas, ausgewiesener EU-Kenner und Präsident des Forum Alpbach, pochte auf Mitverantwortung und appellierte mit Nachdruck: „Lesen Sie die Grundrechte-Charta der EU!“ Zugleich forderte er eine „Stärkung der Stärken, dort wo man lebt“. Direkt aus Brüssel berichtete Laura Hagemann über die europaweit rund 1.900 Mitglieder des NEB-Netzwerks, über aktuell etwa 700 Projekte sowie über ein Gesamtbudget von 800 Millionen Euro im Zeitraum 2021 bis 2027. Aus diesem Budget sind bislang 170 NEB-Preisträger:innen und 27 nationale Finalist:innen hervorgegangen. Darüber hinaus informierte sie über eine soeben lancierte neue Förderschiene, über die auch kleinere NEB-Projekte unter 100.000 Euro eingereicht werden können – ein Angebot, das für die vielschichtigen Regionen Niederösterreichs von besonderem Interesse sein dürfte.
Nachhaltiges Bauen im Bestand wurde mehrfach als wirkungsvolles Mittel gegen den rasanten Flächenverbrauch hervorgehoben. Daniel Fügenschuh, Präsident der Bundeskammer der Ziviltechniker:innen Österreichs sowie Präsident des Architect’s Council of Europe, verdeutlichte die Dimension mit dem Hinweis: „In Österreich wird jährlich eine Fläche so groß wie Eisenstadt verbaut.“ Michaela Moser von der FH St. Pölten brachte zusätzlich die Perspektive der sozialen Nachhaltigkeit in die Diskussion ein. Elias Molitschnig vom BMWKMS, Abteilung für Architektur, Baukultur, Denkmalschutz und UNESCO-Welterbe, gab unter anderem einen Ausblick auf zukünftige baukulturelle Lehrgänge, die in Niederösterreich insbesondere Bürgermeister:innen und Gemeindebediensteten ein relevantes Weiterbildungsprogramm anbieten werden.
Der Präsident des Österreichischen Gemeindebunds, Johannes Pressl, plädierte für eine Flexibilisierung des Rechtsrahmens sowie für Maßnahmen zur Mobilisierung von Leerständen und Bauland. Diese Position wurde von Anna-Vera Deinhammer bekräftigt, die betonte: „Bestand first! Knapp zwei Millionen bestehende Wohneinheiten warten auf Sanierung.“ Gundula Prokop vom Umweltbundesamt stellte den Brachflächen-Dialog als spezielles Förderprogramm des Bundes vor und unterstrich: „Brachflächen sind Zukunftsressourcen für nachhaltige Orte und Stadtquartiere.“
Die Beiträge und Diskussionen spannten ein breites thematisches Feld auf und vermittelten einen ersten Einblick in die vielfältigen Herausforderungen zukunftsfähigen Bauens – sowohl im Allgemeinen als auch speziell auf regionaler Ebene. Themen also, die weiterhin behandelt und diskutiert werden müssen. Eine nächste Gelegenheit dazu wird es gegen Ende 2026 bei der zweiten Auflage des NEB-Symposiums geben. Same time, same station.
ORTE bedankt sich herzlichbei der Familie Fürst für die Gastfreundschaft, bei Klemens Schlögl für die sehr humorvolle und pointiert gestaltete Moderation, bei Fundermax, die den Großteil der Buffetkosten übernommen haben, bei Jeremias Altmann für sein gelungenes Live-Painting im Freien trotz Eiseskälte, bei allen Referent:innen für die wertvollen und höchst spannenden Beiträge sowie nicht zuletzt beim Publikum, das bis zum Schluss aufmerksam und interessiert dabei war.
Das New European Bauhaus (NEB) versteht sich als europäische Zukunftsinitiative und Seele des European Green Deal, die Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion in Einklang bringt. Seit 2020 fördert die EU damit Projekte, die den ökologischen Wandel greifbar, lebenswert und für alle zugänglich machen. Ziel ist nicht nur Klimaneutralität, sondern auch Lebensqualität – ein schönes, nachhaltiges und gemeinschaftliches Europa.
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