Die Publizistin Isabella Marboe hat diesen Text im Rahmen des ORTE-Schreibworkshops „Schreib mir die Stadt“ im Jänner entwickelt – bei einem Rundgang vor Ort rund um die Justizanstalt Krems-Stein. Ausgehend von den Materialien, Linien und Übergängen des Ortes verbindet sie architektonische Beobachtungen mit Wortspielen, persönlichen Eindrücken und den historischen Spuren, die in den Mauern und im Stadtraum eingeschrieben sind. So entsteht eine offene, poetische Annäherung an einen Ort, an dem Landschaft, Architektur, Erinnerung und die Frage nach Freiheit unmittelbar aufeinandertreffen.
Gefängnis und Garage Isabella Marboe Blickt man aus dem Bürofenster des ORTE Architekturnetzerks Niederösterreich, sieht man direkt auf die Justizanstalt Krems Stein. Ausgangspunkt für eine philosophische Stadtbetrachtung.
Am Anfang war der Stein. Blickt man aus dem Fenster des ORTE Büros in Krems, sieht man die Weinberge. Der Stein der Wachau ist der Löss, der eignet sich gut für den Wein. Er ist sehr weich und tonig. Man rutscht leicht aus. Zum Anbauen ist es ein guter, zum Bauen ein schlechter Grund.
Vor den horizontalen Linien der natürlichen, genau genommen der kultivierten Naturlandschaft verlaufen andere. Sie sind industriell gefertigt, gerastert, modular, steinhart und wasserundurchlässig. Waschbeton, mit kleinen Steinen, an den Kanten abgeschrägt, darunter beginnen die Fensterbänder aus schwarzem Metall. Es ist das Gebäude der Justizanstalt „Stein.“ Dort sitzen nur die härtesten Fälle ein.
Die Justizanstalt liegt an der Steiner Landstraße, kurz vor dem Steiner Tor. Man kann durchgehen. Durch die Justizanstalt Stein eher nicht. Da bleibt man drinnen. Oder geht hinein und wieder hinaus, als Justizwachebeamte – weiblich, männlich, Sternchen –, oder auch als Häftling – weiblich, männlich, Sternchen. Einmal vor der Haft und einmal danach...Den vollständigen Text lesen
Wir schlendern nicht nur durch Stein – wir lauschen Laternen, vermessen Wege mit den Füßen und schauen den Häusern tief in die Fenster. Wir streifen durch Gassen, queren Plätze und schlüpfen durch verwinkelte Durchgänge. Wo führt diese Treppe hin? Warum steht dieser Mistkübel genau dort? Und was flüstert eigentlich das Kopfsteinpflaster?
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