Niederösterreich, Hans & Me
Oder wie ich versuchte, die Postmoderne zu lieben.
Präsentation WandcollageEr hat uns interessiert: Tom Korn. ORTE hat ihn eingeladen – und nun ist er Artist in Residence für Baukultur, derzeit zu Gast in Krems.
Tom Korn, „letzter Bleisetzer Kölns“, tauschte den klassischen Zeichenstift früh gegen unerwartete Materialien ein – gefunden ausgerechnet im Konkurs eines Möbelhauses: Teppichmuster. Seitdem setzt er aus unzähligen Fragmenten seine Bildwelten zusammen und widmet sich mit großer Ausdauer der Architektur der Nachkriegsmoderne: brutalistische Betonutopien, vergessene Ferienanlagen, gebaute Versprechen mit Patina.
Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Collage, Objekt und Installation, entstehen aus Reisen, Fotos und einem unerschöpflichen Materialfundus. Neugierig bleibt er dabei vor allem in einer Sache konsequent: Es geht immer um Architektur.
Tom Korn verarbeitet Gebautes zu künstlerischen Einstellungen und Ansichten. Besonders die Moderne liefert ihm das Vokabular: Formen, Ebenen, Farben. Daraus entwickelt er grafische Lösungen, die sich als Druckgrafiken, Objekte, Malerei, Fotografien, Zeichnungen oder Installationen manifestieren – oder, wie in Krems, als Wandcollage.
Zu unserer Einladung nach Niederösterreich schreibt Tom Korn: Ein ganzes Künstlerleben lang habe ich es geschafft, postmoderne Architektur zu ignorieren, doch neulich war die Geduld zu Ende. AIR – ARTIST IN RESIDENCE Niederösterreich und ORTE in Krems boten die Möglichkeit, mich mehrere Wochen lang um den Elefanten im Raum zu kümmern, wozu ich mit offenen Augen und gezückter Kamera das Bundesland bereiste. Zusätzlich suchte ich in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Werk Hans Holleins Inspiration und Verständnis. Doch was genau sehe ich da eigentlich? Eklektizistische An- und Umbauten in konsumoptimierten Gewerbegebieten – eine Art „Las Vegas für alle“? Häuser, deren Identität sich über die Wahl der richtigen Designer-Haustür definiert? Oder High-End-Architektur, die sich mit kecken Ausstülpungen aus edlen Materialien selbst kommentiert? - Ist die Postmoderne am Ende bloß eine Sonderform von Architektenhumor aus den 1990er Jahren?
Das künstlerische Ergebnis dieser zehnwöchigen Annäherung ist in Krems zu sehen: eine Wandcollage aus über 100 Einzelteilen. Come and see!

