Was bleibt, ist Raum
Ein Tag für Adolf Krischanitz zum 80. Geburtstag
Vortrag, Ausstellung, Film, Gespräch, RundgängeAm 26. Mai 2026 wird Adolf Krischanitz 80 Jahre alt. Anlass genug, innezuhalten – nicht mit musealem Pathos, sondern mit Aufmerksamkeit für ein Werk, das sich nie bloß als Baukunst verstand, sondern als geistige Praxis. Die Kooperationsveranstaltung von ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich mit dem Archiv der Zeitgenossen, der Kunsthalle Krems und dem Kino im Kesselhaus widmet dem Architekten, Denker und Gestalter eine Veranstaltung, die den Blick auf sein Schaffen in Niederösterreich richtet – auf jene Bauten, die sich tief ins kulturelle Gedächtnis des Landes eingeschrieben haben. Denn Krischanitz hat hier nicht einfach gebaut. Er hat Räume des Denkens, des Zeigens, des öffentlichen Lebens geschaffen. Räume, die nicht beeindrucken wollen, sondern einladen: zum Wahrnehmen, zum Verweilen, zum Nachdenken. Die Kunsthalle Krems, hervorgegangen aus einer ehemaligen Tabakfabrik, ist ein solches Beispiel – ein Ort, an dem Transformation nicht Zerstörung meint, sondern behutsame Weiterentwicklung. Architektur wird hier nicht zur Geste, sondern zur Haltung. Ein anderer, nicht minder bedeutender Ort: das von Krischanitz geplante Archiv der Zeitgenossen – ein Haus für das geistige und künstlerische Erbe, dem er auch persönlich verbunden ist. Dass ein Teil seines eigenen Vorlasses bereits dort Eingang gefunden hat, ist ein stilles Vermächtnis: das Bewahren nicht als Rückblick, sondern als Weitergabe. Als Angebot an kommende Generationen, sich mit dem auseinanderzusetzen, was an architektonischem Denken zwischen Skizze, Text und gebautem Raum entstehen kann.
Auch wenn Adolf Krischanitz heute nicht mehr aktiv entwirft, behält sein Werk eine ungebrochene Strahlkraft. Es steht – in Material, in Raum, in Erinnerung. Sein Einfluss wirkt weiter, weil er nicht an Formen gebunden ist, sondern an Prinzipien: an Genauigkeit, Kontextbezug, Reduktion und Autonomie des Denkens.
Diese Veranstaltung ist eine Würdigung. Sie ist eine Einladung, das Werk von Adolf Krischanitz als das zu sehen, was es ist: ein Beitrag zur Baukultur, der über Räume hinausweist – in Diskurse, in Haltungen, in Möglichkeiten. Seine klar konturierten, oft minimalistisch anmutenden Bauten zeigen, wie viel Kraft in der Konzentration liegen kann. Wie viel Öffentlichkeit in einer stillen Form. Und wie Architektur – jenseits von Mode, Material und Maßstab – ein Ort des Denkens bleibt.
Programm
1) Auftakt: Architektur lesen
14:30 – 16 Uhr – Kunsthalle Krems, Vortragssaal
Begrüßung durch Florian Steininger, Direktor der Kunsthalle Krems
Eröffnungsworte durch Hermann Dikowitsch, Leiter der Abteilung Kunst & Kultur im Amt der NÖ Landesregierung
Franz Denk, Architekt und ORTE-Vorstandsmitglied, spricht über Krischanitz’ Arbeitsweise und seine architektonische Ethik
Geführter Rundgang durch die Kunsthalle Krems
2) Spurensuche im Archiv
17 – 18 Uhr – Archiv der Zeitgenossen
Zur Ausstellung über den Vorlass von Adolf Krischanitz spricht Helmut Neundlinger, Leiter des Archivs der Zeitgenossen am Department für Kunst- und Kulturwissenschaften der UWK
Brigitta Potz, wissenschaftliche Mitarbeiterin, führt durch die Räumlichkeiten des Archivs der Zeitgenossen
3) Filmische Annäherung und Gespräch
18 – 19:30 Uhr – Kino im Kesselhaus
Begrüßung durch Viktoria Weber, Rektorin der Universität für Weiterbildung Krems
Premiere des Films „The Dreams of an Architectivist“ von Miljana Niković (25 Minuten)
Der Film erzählt von einer Archivarin, die nach der Entdeckung eines rätselhaften Objekts im Archiv von wiederkehrenden Träumen über weitere verborgene Gegenstände der Sammlung heimgesucht wird. Diese Träume führen sie durch verschiedene Räume des Archivs und schließlich in die Kunsthalle Krems, wobei sich die Grenzen zwischen Erinnerung, Realität und Vorstellung zunehmend auflösen. Zugleich stellt der Film einen Bezug zum österreichischen architektonischen Erbe her, indem er die Arbeiten des Architekten Adolf Krischanitz sowie die Räume des Archivs der Zeitgenossen und der Kunsthalle Krems miteinander verbindet und reflektiert, wie Architektur durch Archive, Bilder und räumliche Erfahrung bewahrt, erinnert und immer wieder neu aktiviert werden kann.
Miljana Niković, in Belgrad geboren und in Berlin lebend, ist Architektin, Künstlerin und Forscherin. Ihr Schwerpunkt liegt auf räumlichen, audiovisuellen und sprachlichen Wiederaneignungen. Viele ihrer experimentellen Arbeiten wurden weltweit auf Festivals gezeigt und ausgezeichnet.
Im Gespräch mit Miljana Niković und der Architektin Anna Wickenhauser – die viele Jahre im Büro von Adolf Krischanitz tätig war – reflektiert Architekt Franz Denk den Film und darüber, wie sich seine Architektur aus heutiger Sicht neu betrachten lässt.
Eine Veranstaltung im Rahmen der Krischanitz Vorlass-Gemeinschaft:
Az W – Architekturzentrum Wien, MAK – Museum für angewandte Kunst, Archiv der Zeitgenossen in Krems, gta-Archiv ETH Zürich
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.
Anmeldung für die Programmteile 1) und 2) unter office@orte-noe.at, für Programmteil 3) unter tickets@kinoimkesselhaus.at
Es wird darauf hingewiesen, dass bei der Veranstaltung Fotos gemacht und zum Zweck der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Dokumentation verwendet werden.

