Zweitwohnsitze
Fluch oder Segen für den ländlichen Raum?
SymposiumIm schönen Ambiente des Schloss Reichenau an der Rax findet im Oktober eine zweitägige Veranstaltung rund ums Thema Zweitwohnsitz statt, die sich insbesondere an Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung in Gemeinden und beim Land NÖ richtet.
Das sommerliche Übersiedeln vom Haus oder der Wohnung in der Stadt ins kühlere Quartier am Land hat lange Tradition. Bis vor wenigen Jahren hing dieses Phänomen eindeutig mit einem höheren sozialen Status zusammen, doch sowohl die Corona-Pandemie als auch die klimawandelbedingte starke Zunahme an Hitzetagen haben den Wunsch nach einem Zweitwohnsitz im Grünen derart befeuert, dass die Anzahl der Nebenwohnsitzmeldungen die Bevölkerungsanzahl bereits in 20 österreichischen Gemeinden übersteigt. Dieser Trend wird durch die zunehmende Finanzialisierung von Wohn-Immobilien verstärkt.
Egal welche Motivation letztlich zur Anschaffung von zusätzlichem Wohnraum führt: Er wird oft nur sporadisch genutzt wird und steht manchmal wochenlang leer. Das hat wiederum negative Auswirkungen auf das soziale Leben in Orten, die vielleicht sowieso schon mit Ortskernsterben und Abwanderung zu kämpfen haben. Andernorts führt die Nachfrage von außen zu einer Verknappung des Wohnraumangebots für die lokale Bevölkerung, was teilweise saftige Preissteigerungen und die Abwanderung der Jungen zur Folge hat. Auch die Gemeindekassen leiden, denn die Ausgaben für die Ver- und Entsorgungsinfrastrukur sind hoch, während die Einnahmen durch den Entfall von Kommunalabgaben weniger werden. Niederösterreich, Burgenland und Wien sind die letzten drei Bundesländer, in denen noch keine Zweitwohnsitzabgabe eingehoben wird.
Das Thema ist komplex. Je nach Lage und Attraktivität der Region, Bevölkerungsstruktur und Arbeitsmöglichkeiten kann das Phänomen der Zweitwohnsitze völlig unterschiedlich sein und muss folglich auch unterschiedlich betrachtet werden.
Im Rahmen einer zweitägigen Veranstaltung werden die vielschichtigen Zusammenhänge aufgezeigt und neue Denkansätze versucht. Es werden Möglichkeiten diskutiert, wie der Spagat von einem „Angebot für Zweitwohnsitzende als potenzielle neue Bürger:innen“ und dem Angebot für Hauptwohnsitzende unter Berücksichtigung von Klima- und Bodenschutz gelingen kann. Ziel der Veranstaltung ist es, zu informieren, zu sensibilisieren, notwendige Anpassungen in der Raumplanung aufzuzeigen und Lösungsansätze für den Bedarf an zusätzlichem Wohnraum auf dem Land zu erarbeiten, die die Kosten für die Gemeinde niedrig halten, das Orts- und Landschaftsbild respektieren und das soziale Miteinander fördern.
Impulsvorträge und kleine Workshopeinheiten wechseln sich ab, die bearbeiteten Fragestellungen vertiefen sich dabei zusehends. Die Anwesenheit und das Mitwirken an beiden Halbtagen sind deshalb ausdrücklich erwünscht. 😊
Programm:
Donnerstag, 15. Oktober: 14-18:30 Uhr
14:00 – 15:20 Uhr:
- Begrüßung
- Im Gespräch mit ORTE: Johann Döller, Bürgermeister von Reichenau/Rax
- „Von Grund auf im Überblick: Entwicklung, Formen, Vor- und Nachteile und Steuerungsmöglichkeiten von Zweitwohnsitzen“
Arthur Kanonier, TU Wien, Leiter des Forschungsbereichs Rechtswissenschaften; Schwerpunkte ua. Boden- und Raumordnungsrecht, Boden- und Raumordnungspolitik - Denkwerkstatt in Kleingruppen I
15:20 – 15:35 Uhr: Kaffeepause
15:35 – 17:00 Uhr:
- „Schlupflöcher und Privatdetektive? Aus dem Alltag von Atterseegemeinden in Oberösterreich, in denen teilweise schon die Nebenwohnsitze überwiegen“
Gerald Egger, Bürgermeister von Seewalchen am Attersee, OÖ - "Was gut und recht ist. Vom Spannungsfeld zwischen Raumordnung und Grundverkehr"
Heinz Häupl, Rechtsanwalt und Sachverständiger für Immobilien in Nussdorf am Attersee, OÖ - „Von Freiheit und Unfreiheit durch Eigentum. Rechtsphilosophische Betrachtungen“
Paul Hahnenkamp, Universität Wien, Institut f. Staats- und Verwaltungsrecht - Denkwerkstatt in Kleingruppen II
17:00 – 18:30 Uhr: Filmvorführung „Alpenland“, von Robert Schabus (2022)
Ortsspaziergang mit Bürgermeister Johann Döller, danach gemeinsames Abendessen und Netzwerken
Freitag, 16. Oktober: 9-13 Uhr
09:00 – 10:25 Uhr:
- Zusammenfassung des Vortags, kleine Einheit „Morgensport“
- „Zweitwohnsitze – zwischen Revitalisierung und Verdrängung: Eine sozial-ökologische Perspektive“
Margarete Haderer, TU-Wien, Umwelt- und Raumsoziologin - „Gewinne und Verluste: Auswirkungen von Zweitwohnsitzen auf das Orts- und Landschaftsbild“
Maik Novotny, Architekturjournalist und ÖGFA-Vorstandsvorsitzender - Denkwerkstatt in Kleingruppen III
10:25 – 11:05 Uhr:
- „Quo vadis Niederösterreich? Die Situation von Raumplaner:innen in NÖ“
Hans Emrich, Raumplaner, Emrich Consulting ZT-GmbH - „Lernen vom Westen? Freizeitwohnsitze als Lebensraum- oder Heuschreckenstrategie?“
Andreas Falch, Ingenieurkonsulent für Raumplanung und Raumordnung in Tirol und Vorarlberg
11:05 – 11:20 Uhr: Kaffeepause
11:20 – 13:00 Uhr:
- Denkwerkstatt in Kleingruppen IV
- ORTE im Gespräch mit Zweitwohnsitzer:in
- „Aus der Praxis: Integration von Zweitwohnsitzer:innen über alle Generationen hinweg?
Heidi Brandstetter, Dorf- und Stadterneuerung NÖ - Abschließende Denkwerkstatt in der großen Runde
Programmänderungen vorbehalten.
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Modalitäten / Anmeldung
Um Anmeldung unter https://forms.gle/3gr8KUt5Mx48nryL7 wird gebeten.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Die Kosten für Übernachtung und Abendessen müssen selbst getragen werden.
Es wird darauf hingewiesen, dass bei der Veranstaltung Fotos gemacht und zum Zweck der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Dokumentation verwendet werden.
Die Anreise nach Reichenau an der Rax erfolgt individuell.

