Das waren die Architekturtage 2026 in Niederösterreich
Unsichtbares sichtbar gemacht
Rückblick
Im Mai 2026 fanden in ganz Österreich wieder "Architekturtage" statt, das Festival für Baukultur und Ingenieurtechnik. Heuer standen sie unter dem Generalmotto "Was uns verbindet - Infrastrukturen des Alltags".
In Niederösterreich führte ORTE zu Orten, die selten im Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit stehen. ORTE verstand Infrastruktur dabei nicht nur als technische Leistung, sondern auch als kulturelle und soziale Aufgabe. Im Zentrum standen Bauwerke genauso wie Landschaften, industrielle Relikte oder zeitgenössische Projekte. Die Programmgestaltung war entsprechend bunt:
Die Führung durch das sanierte Vereinshaus des Symposium Lindabrunn eröffnete Einblicke in qualitätsvolle Architektur, die mit viel Kreativität und wenig Budget umgesetzt wurde. Im neuen Konzertsaal Hermannswörth verband sich dank eines engagierten Bauherrn die Erfahrung von Raum mit jener der Musik. Einmal mehr wurde klar, wie wichtig die Rolle der Bauherr:innen für das Entstehen guter Architektur ist.
Die Veranstaltung Wiederbelebung eines Fabrikareals, das sich gerade in Transformation hin zu einem Gelände mit gemischter Nutzung befindet, erregte großes Interesse. Das überrascht nicht, war doch das „Werk Möllersdorf“ eng verwoben mit Traiskirchen, seiner Bevölkerung und der Region. Viele Menschen verbrachten ihr gesamtes Arbeitsleben hier.
Im Bauhof Langenlois durften wir hinter die Kulissen schauen und erfuhren höchst Spannendes und auch Unerwartetes über den Alltag von Menschen, die unauffällig dafür sorgen, dass in Gemeinden „alles rund läuft“. „Nachwuchsprobleme“ und Mangel an breit aufgestellten Fachkräften bereiten aber auch hier zunehmend Sorgen.
Ähnlich aufschlussreich war der Besuch von Getreidespeicher und Silo in Petronell-Carnuntum: Orte der (einstigen) Produktion und Lagerung, überaus wichtig für die Daseinsvorsorge, ihre Bedeutung jedoch nicht sofort ersichtlich. Der Betrieb von Schüttkästen bedeutete sehr viel Handarbeit und körperliche Anstrengung, musste bspw. das Getreide doch regelmäßig gewendet werden. Dafür kam man völlig ohne Spritzmittel und Konservierungsstoffe aus. Der Schüttkasten in Petronell, der viele Jahre lang leer stand, wird bald mit neuen Nutzungen wiederbelebt. Der sich über mehrere Jahre hinziehende Sanierungsprozess ist demnächst abgeschlossen.
Auch die grüne Infrastruktur rückte ins Blickfeld. Die Besuche der Ladendorfer Lindenallee und der Donau-Renaturierung bei Grimsing in der Wachau zeigten, dass Landschaften und Flüsse selbst Träger komplexer Funktionen sind. Sie schaffen Lebensräume, regulieren Klima und sichern Ökosysteme. Die Führungen machten deutlich, wie eng ökologische Prozesse und menschliche Entscheidungen miteinander verflochten sind.
Dass Infrastruktur Räume nicht nur erschließt, sondern auch formt, wurde bei den Vorträgen zur Wachaubahn sehr anschaulich. Die Bahnlinie ist weit mehr als ein Verkehrsmittel und wirkt weit über seine technische Funktion hinaus.
Großes Interesse weckte die ORTE-Exkursion (g)runderneuert III im Mostviertel. Ein voller Bus besuchte ehemalige Industrie- und Gewerbeareale sowie Lost Places im Wandel. Die Glanzstofffabrik und die Voith Group in St. Pölten, eine historische Tischlerei in Melk sowie die Molkerei in Mank standen exemplarisch für einen tiefgreifenden Wandel. Wo einst produziert wurde, entstehen heute neue Fragen nach Nutzung, Identität und Zukunft. Die Exkursion machte deutlich, welches Potenzial in bestehenden Strukturen liegt und warum die Transformation von Brachen längst zu einer der zentralen Aufgaben nachhaltiger Raumentwicklung geworden ist.
Dem Element Wasser widmete sich die Exkursion „Von der Quelle bis zur Wiederaufbereitung“ im Industrieviertel. Von der Quelle in Bad Fischau über die Bewässerungssysteme von Theresienfeld und die Zisterne auf dem Gelände des ehemaligen Tritolwerks führte die Reise zum Wiener Neustädter Kanal und schließlich zur Naturfilteranlage in Reisenberg. Wasser erschien hier nicht als Naturgegebenheit, sondern als Ergebnis eines fein abgestimmten Zusammenspiels von Landschaft, Technik und menschlicher Planung. Sehr deutlich wurde, wie aufwendig die Versorgung mit dieser (über-)lebenswichtigen Ressource und wie groß die Problematik von gesunkenen Grundwasserspiegeln mancherorts schon ist.
Mit insgesamt rund 460 Teilnehmer:innen bei zehn Veranstaltungen erreichten die Architekturtage in Niederösterreich ein breites und interessiertes Publikum.Wir bedanken uns recht herzlich bei allen Teilnehmer:innen und natürlich bei allen Referent:innen für die angenehmen und anregenden Kooperationen.
Für die Programmierung der Architekturtage 2026 eröffnet die Infrastruktur ein weites Feld an Themen und Formaten, von der Großstadt bis zum Dorf, vom alpinen Raum bis zur Donau. Infrastruktur bildet die Schnittmenge dessen, was Architektur und Ingenieurwissenschaft leisten können. Sie bietet faszinierende Einstiege in komplexe Themen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, für Fachpublikum und Laien. Sie eröffnet Gesprächsräume über das, was uns verbindet
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