(g)runderneuert IV
Exkursion durch das Weinviertel zur Wiederbelebung von Brachflächen in Niederösterreich
Eintägige ExkursionWas passiert, wenn die Produktion endet, Fabriken neue Aufgaben bekommen und große Industrieareale zum Gegenstand unterschiedlicher Zukunftsvorstellungen werden? - Die vierte Ausgabe der Exkursionsreihe (g)runderneuert führt ins Weinviertel, an drei Orte und zeigt drei unterschiedliche Wege in die Zukunft: eine Zuckerfabrik nach dem Ende ihrer Produktion, ein ehemaliges Ziegelareal, das zum Gemeindezentrum wird, und eine traditionsreiche Schiffswerft, deren weitere Entwicklung offen ist.
Wir erkunden, was im Bestand steckt: Welche Gebäude und Infrastrukturen lassen sich weiternutzen? Wie können Bauteile im Kreislauf bleiben? Und wie gelingt es, historische Substanz, wirtschaftliche Interessen und die Bedürfnisse der Bevölkerung zusammenzubringen? Einblicke vor Ort zeigen Chancen und Konflikte der Transformation.
1. Obersiebenbrunn: Logistik und Bahnfahrzeuge statt Zuckerproduktion
1901/02 als Rohzuckerfabrik errichtet und 1925 zur Weißzuckerfabrik umgebaut, war die Zuckerfabrik Obersiebenbrunn mehr als ein Jahrhundert eng mit der Entwicklung des Marchfelds verbunden. Im März 2025 stellte AGRANA die Zuckerproduktion ein und konzentrierte die österreichische Produktion auf Tulln. Rund 120 Beschäftigte waren betroffen; der Standort wird als Logistikzentrum weitergeführt.
Im Juni 2026 verkaufte AGRANA rund 50 Hektar des insgesamt etwa 75 Hektar großen Areals an die PCS Holding des Schweizer Unternehmers Peter Spuhler. Stadler nutzt bereits einen Teil des Geländes für eine Werkhalle zur Inbetriebsetzung, Zulassung und Wartung moderner Schienenfahrzeuge. AGRANA will einen Teil weiterhin als Zucker-Logistikhub betreiben.
Was wird aus den historischen Fabriksstrukturen, welche neuen Nutzungen entstehen und welches Potenzial steckt in der vorhandenen Infrastruktur?
Bei unserem Rundgang folgen wir dem „Rübenweg“ durch die ehemalige Zuckerproduktion. Hauptgebäude, Kesselhaus, „blaues Magazin“, Kalkofen und die beachtliche Kläranlage geben Einblick in die Geschichte und Funktionsweise des weitläufigen Industrieareals.
Es führen: Elvis Makic, Prokurist, und Reinhard Slavik, stellvertretender Abteilungsleiter für Sekundärproduktion und Logistik, beide AGRANA.
2. Zellerndorf: Vom Ziegelwerk zum Gemeindezentrum
Auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelbrennerei entsteht in Zellerndorf ein neues Gemeindezentrum. Die zunächst geplante Sanierung des bestehenden Gemeindeamts wurde aufgrund der hohen Kosten verworfen; mit dem Neubau wurden smartvoll Architekten beauftragt.
Im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprojekts „Zellerndorf 2050“ soll das Areal die Nord-Süd- und West-Ost-Achsen des Ortes verbinden und das Zentrum stärken. Gemeindeamt, Dorfplatz und Veranstaltungszentrum bilden künftig einen neuen öffentlichen Mittelpunkt. Besonders spannend ist die kreislauffähige Bauweise: Ein rund 20 Jahre alter Holzriegelbau aus Hollabrunn wurde demontiert, nach Zellerndorf transportiert und wird dort in neuer Konfiguration wieder aufgebaut. Auch regional rückgebaute Ziegeldächer sollen für Fassade und Dach wiederverwendet werden.
Bei der Besichtigung erfahren wir, wie Wiederverwendung, Architektur und Ortsentwicklung zusammenspielen – und wie aus einem ehemaligen Produktionsstandort ein Ort für die Gemeinschaft entsteht.
Es führen: Bürgermeister Markus Baier und Architekt Christian Kircher (smartvoll Architekten).
3. Korneuburg: Die Werft und die offene Frage ihrer Zukunft
1852 von der Ersten Donaudampfschifffahrtsgesellschaft gegründet, entwickelte sich die Schiffswerft Korneuburg zu einer bedeutenden Schiffbau- und Reparaturwerft und einem wichtigen Arbeitgeber der Region. Nach der Schließung 1993 blieben rund 26 Hektar mit historischen Backsteinhallen, Kranbahnen, Slipanlage und Hafenbecken zurück. Seit 2016 wurde im Rahmen von „Alte Werft. Neue Ideen.“ gemeinsam mit der Bevölkerung über die Zukunft des Areals nachgedacht. Mit dem Einstieg der Signa 2019 wurden die Pläne größer: Vorgesehen war ein Stadtquartier mit Wohnungen, Arbeitsplätzen, Gastronomie, Hotel, Kultur und Freizeitangeboten. Eine Bürgerbewegung setzte sich dagegen für eine maßvollere Entwicklung, den Erhalt der Freiräume und den Schutz der historischen und landschaftlichen Qualitäten ein. Mit der Insolvenz der Signa ist die Entwicklung erneut an einem Wendepunkt angelangt. Welche Pläne weiterverfolgt werden und welche Chancen sich für eine andere Transformation eröffnen, ist offen.
Bei unserem Besuch geht es um die Zukunft eines außergewöhnlichen Industrieareals: Wie lassen sich neue Nutzungen mit dem Erhalt historischer Strukturen verbinden? Welche Rolle spielen Freiräume, öffentliche Interessen und Bürgerbeteiligung? Und was wird möglich, wenn bisherige Entwicklungspläne neu verhandelt werden müssen?
Es führen: Bürgermeister Christian Gepp, Roland Raunig, Geschäftsführer des Stadtentwicklungsfonds Korneuburg (SEFKO), und Regina Gruber, Obfrau von Brennpunkt Werft Korneuburg.
Programm
07:45 Uhr Treffpunkt und Zustieg in Wien-Erdberg, Busbahnhof
08:00 Uhr Abfahrt
08:45–11:15 Uhr Besichtigung des AGRANA-Geländes
12:15–13:30 Uhr Mittagessen im Retzerlandhof, Zellerndorf
13:45–15:15 Uhr Besichtigung des zukünftigen Gemeindezentrums Zellerndorf
16:30–18:00 Uhr Besichtigung der Werft Korneuburg
18:45 Uhr Ankunft in Wien-Erdberg, Busbahnhof
Exkursionskonzept und -leitung: Heidrun Schlögl
Eine Kooperation mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sowie ecoplus, Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich.
Modalitäten / Anmeldung
Die Teilnahmegebühr beträgt 110 € pro Person. Darin enthalten sind die gemeinsame Busfahrt ab und bis Wien, fachkundige Vorträge und Führungen sowie ein professionelles voice2go-Headset. Ebenfalls inkludiert ist das Mittagessen im Gasthaus Retzerlandhof mit Suppe, Hauptspeise, Dessert, Kaffee oder Tee. Weitere Getränke sind selbst zu bezahlen.
Stornierung und Buchung
Bei einem Reiserücktritt bis einschließlich 11. März 2027 wird keine Stornogebühr verrechnet. Danach wird die gesamte Teilnahmegebühr einbehalten, sofern keine Ersatzperson gestellt wird. Die Vormerkung erfolgt in der Reihenfolge der eingehenden Anmeldungen. Die Buchung ist mit Eingang der Teilnahmegebühr abgeschlossen; erst dann ist der Sitzplatz im Bus garantiert. Die Teilnehmer:innenanzahl ist begrenzt.
Während der Veranstaltung werden Fotos zur Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit gemacht und verwendet.
